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Liebe und Mathematik – eine Perspektive von John Gottman

Liebe und Mathematik – eine Perspektive von John Gottman

John Gottman ist einer der berühmtesten Liebesforscher unserer Zeit. Er hat sich dem Forschungsziel verschrieben, wissenschaftlich zu begründen, wie die Magie der Liebe funktioniert.

Zunächst betont auch Gottman den unbestreitbaren Vorteil von Beziehungen: Er konnte nachweisen, dass sich eine Beziehung positiv auf unsere Gesundheit, Finanzlage und unsere Abwehrkräfte auswirkt. Wir werden weniger krank (dafür aber viel schneller gesund), wenn wir in einer Partnerschaft leben. Zudem leben Beziehungsmenschen im Schnitt 10-15 Jahre länger. John Gottman entwickelte ein aufwendiges Verfahren, mittels dem sich die Stabilität einer Beziehung beurteilen lässt. Mit über 90%iger Wahrscheinlichkeit kann Gottman ermitteln, ob eine Beiziehung glücklich ist und, ob sie dauerhaft Bestand haben wird. Über 45 Jahre erforschte Gottman dafür Paarbeziehungen. Er wertete physiologische und qualitative Daten von über 40.000 Paaren aller Altersgruppen aus. In sechs kompletten Forschungsreihen erwiesen sich seine Annahmen als richtig – Gottmans System funktioniert! Auch andere Laboratorien bestätigten sein Forschungsdesign.

Neben einem Fragebogen und einem Paargespräch, erhob der Liebesexperte Herzschläge, Puls sowie den Blutdruck der Probanden. Außerdem wurden die Interview-Gespräche mit den Paaren auf Video aufgezeichnet, um Mikroexpressionen, Körpersprache oder Formulierungsstile bei den Probanden zu ermitteln. Was man daraus erhält ist ein Gebirge aus Daten. Gottman fand heraus, wie die Messergebnisse miteinander in Einklang gebracht werden müssen, um ein Gesamtbild der Beziehungsfähigkeit eines Paares zu erstellen. Was Gottman ermittelte, wurde humorig mit „Dow-Jones“ der Beziehungskommunikation betitelt. Der Liebeswissenschaftler kann eine Kurve erstellen, welche die kumulierten positiven Emotionen (abzüglich der negativen Emotionen) als Graph darstellt. Also eine Art Emotionskurve des beobachteten Gesprächsverlaufs. Auf der Y-Achse finden wir die kumulierten Emotionen und auf der X-Achse die Gesprächswendungen. Bei sicheren Bindungen (Gottman nennt es die „low risk couples“) ist die Kurve progressiv… obwohl sie Schwankungen haben kann, krabbelt sie stetig nach oben. Risiko-Beziehungen („high risk couples“) weisen eine kontinuierlich degressiv fallende Kurve auf. Bei jenen Paaren geht es bergab… meist ziemlich direkt.

In 96% aller Fälle entscheiden die ersten drei Minuten einer Unterhaltung darüber, ob es sich um eine sichere Bindung oder eine Risikobeziehung handelt, so Gottman. Die ersten Minuten definieren ferner auch das gesamte aufgezeichnete Gespräch. Gottman verdeutlicht somit für Beziehungen, dass negative Gefühle (Angst, Zorn, Eifersucht, Missgunst…) anscheinend eine absorbierende Wirkung auf unglückliche Paare haben. Negative Grundeinstellungen sind in schlechten Beziehungen schneller und einfacher erreicht, als neutrale oder positive Affekte. Von negativen Gefühlslagen wieder auf positive zu kommen, ist zudem viel schwieriger als umgekehrt. Außerdem neigen negative Gefühlslagen stark dazu, sich immer wieder zu reproduzieren. Wie bei einer Negativspirale ziehen sich die Paare in einer Endlosschleife immer weiter gegenseitig runter.
Für Gottman ist die Balance zwischen positiven und negativen Emotionen einer Partnerschaft der Schlüssel zur Ergründung der Magie der Liebe. Die Balance in negativen Paarbeziehungen beträgt im Verhältnis etwa 0,8 positive Emotionen : 1 negative Emotion. Also existieren in etwa genau so viele negative wie positive Emotionen im gemeinsamen Erleben solcher Paares. Eigentlich würden wir annehmen, dass es sich hier um eine glückliche (oder zumindest ausgewogen funktionale) Beziehung handelt, aber weit gefehlt. Bereits die Differenz von nur 0,2 Wert-Einheiten zerstört langfristig die gesamte Beziehung und macht jene unglücklich, die sie führen müssen. Gottman errechnete ein Verhältnis von 5 positiven : 1 negativen Emotion als die Grundbedingung für eine glückliche Beziehung. Mit anderen Worten müssen Sie 5 positive Emotionen stiften, um eine negative wieder wett zu machen. Das können gemeinsames Lachen, gegenseitiges Interesse oder andere positive Augenblicke sein, die ein Paar teilt. Schon mit der mathematischen Darstellung von Funktionalität in Beziehungen, hat Gottman eine beeindruckende wissenschaftliche Leistung erzielt. Das war ihm jedoch noch nicht genug. Gottman fragte sich, wie es manche Paare schaffen, glücklicher zu sein als andere. Er fand heraus, dass glückliche Paare drei Faktoren vorweisen können, die unglücklichen Paaren weitestgehend fehlen. Diese drei Faktoren definieren für ihn die Magie hinter dem Beziehungsglück. Es handelt sich um den magischen Dreiklang aus 1.Gelassenheit, 2.Vertrauen und 3.Commitment.

Gelassenheit lässt sich über den Blutdruck, Schweißabsonderungen und die Herzfrequenz ermitteln. Solche physiologischen Eigenschaften werden beispielsweise auch bei einem Lügendetektortest abgefragt. Probanden, die also im Testverfahren sehr relaxt und entspannt antworteten, führten laut Gottmans Ergebnissen die glücklichsten Beziehungen. Theoretisch wäre es also gar keine schlechte Idee, beim nächsten Streitgespräch in der Beziehung einen Pulsoximeter aus der Schublade zu zaubern und den Blutdruck aller Anwesenden zu messen. Obwohl: Wenn ihr Partner richtig sauer auf Sie ist, sollten Sie medizinische Tests eventuell hinten anstellen. Sowas kann auch nach hinten losgehen – zumal wir einige der schlimmsten Dinge meist mit besten Absichten tun. Weshalb sollte innere Gelassenheit ein so bedeutender Schlüsselfaktor für uns sein? Ganz einfach: Wer auch in Konfliktsituationen die Ruhe bewahrt, verliert nicht die Fähigkeit zum Nachdenken. Wer aus der Haut fährt, wütend und impulsiv herumschreit, steigert sich in die Emotion Wut hinein. Wütende Menschen können schlichtweg nicht mehr klar denken. Also: Ruhe bewahren, auch wenn alle anderen einmal hitzig werden. Der zweite Aspekt von Gottmans magischem Dreiklang ist Vertrauen. Das Vertrauen so fürchterlich wichtig ist, weiß jedes Kind, aber lässt sich Vertrauen konkret erfassen? Für Gottman führt Vertrauen zu Intimität, während Misstrauen in Abkapselung und Einsamkeit mündet. Einer der Hauptgründe für Affären ist nicht der Sex oder das Verlangen nach einem anderen Menschen. Für Gottman liegt es an der Einsamkeit, die manche in ihren Beziehungen spüren. Vertrauen lässt sich über die Spieltheorie mathematisch errechnen. Gegenseitiges Vertrauen entsteht für Gottman, sobald beide Partner die Benefits der Beziehung gemeinsam maximieren. Commitment macht für Gottman den dritten Ton des magischen Dreiklangs aus. Auch das lässt sich wissenschaftlich fassen, denn Commitment führt zu Loyalität. Wer fest entschlossen sagt: „Ich habe meinen Traumpartner fürs Leben gefunden und ich bin glücklich, jemand so tolles zu haben“ begründet Loyalität zu dieser Person. Verrat und Betrug treiben hingegen einen Keil in die Beziehung. Sie keimen überall dort, wo jemand seine/ihre Beziehung mit möglichen Alternativbeziehungen zu vergleichen beginnt. Nur wenn die drei Faktoren in ausreichendem Maße gegeben sind, haben Paare die Basis für eine funktionale Beziehung die beide glücklich machen kann.

Im nächsten Schritt stellt Gottman ein X-Y-Koordiantensystem mit einem positiven und drei negativen Bereichen dar, um den Konversationsfluss eines Paares zu veranschaulichen. Stellen Sie sich vier Grundkonstellationen vor. Planquadrat oben links = er ist sauer, sie ist happy. Planquadrat unten rechts = er ist happy, sie ist sauer. Planquadrat unten links = beide sind sauer und zuletzt das Planquadrat oben rechts = beide sind happy. Das letzte Planquadrat ist das angestrebte Ziel einer jeden Paarberatung. Anhand eines echten Streitgesprächs eines Paares demonstriert Gottmann mit einem kleinen springenden Punkt, in welchen Planquadraten der Streit halt macht. So lassen sich Gesprächsdynamiken qualitativ bewerten. Eine ziemlich gute Methode um einen Streitverlauf darzustellen. Gottman fragte sich: Existiert vielleicht eine Art unsichtbare Kraft, die diesen Punkt während des Streits ins Negative oder Positive zieht? Wie ist diese unsichtbare Kraft strukturiert, welchen Gesetzen folgt sie und wie stark ist sie? Für die erste Frage konnte er ermitteln, dass der erwähnte springende Punkt sich immer an einem sogenannten Attraktor ausrichtet. Was ist denn das nun wieder? Tja… Sie alle kennen doch die TV-Wetterkarten von großen Stürmen. Das Auge eines solchen Hurrikans ist ebenfalls immer in Bewegung. Es wird vom sogenannten Attraktor angezogen und nähert sich ihm in Kreisbewegungen. Was bei einem Sturm-Attraktor noch Faktoren wie Wasser, Temperatur und Luftdruck sind, funktioniert bei einem Streitgespräch über Worte, Blicke und Verhaltensweisen. Die Wege, die der kleine Gesprächspunkt in dem Streit auf dem Koordinatensystem zurücklegt, weisen erstaunliche Parallelen zu den Wirbelstürmen der Wettervorhersage-Karten auf. Zugegeben: die Richtungswechsel sind etwas präziser und direkter, als bei dem Auge eines Sturms, aber hier lassen sich zwei Faktoren vergleichen, die augenscheinlich gar nichts miteinander zu tun haben. Der Attraktor entscheidet also über den Weg, den die Diskussion nehmen wird. Gottman wiederholte den Test natürlich auch mit glücklichen Paaren. Mit folgender Erkenntnis: Wenn der Attraktor beider Partner im positiven Bereich liegt, wird der Punkt immer ins Positive gezogen werden. Liegt er auch nur bei einem Partner nicht im positiven Bereich, stellen sich bald Abwärtsspiralen ein. Dadurch, dass Gottman herausfand, welchen Gesetzen ein Streitgespräch folgt, war es ihm nun auch möglich, fiktive Szenarien (gute wie schlechte) zu simulieren und ihr Verhalten im Koordinatensystem zu beobachten. Damit konnte er die besten Möglichkeiten für jede Punktkonstellation herausfinden, um die Attraktoren ins Positive zu verlagern und damit den Streit auf einen positiven Level zu erheben. Oder besser: Was muss man machen, wenn ein Pärchen sich hoffnungslos im dritten Planquadrat (beide unglücklich) verfranzt hat? Worauf muss die Paartherapie eingehen? Woran muss das betroffene Pärchen arbeiten? Es gibt duzende weiterer Möglichkeiten, um mit den Parametern zu arbeiten. Das unbegrenzte Potenzial dieses Ansatzes wird oft erst deutlich, wenn man etwas länger darüber nachdenkt.
Um die Magie der Liebe zu verstehen, müssen wir also den magischen Dreiklang der Liebe verinnerlichen (Gelassenheit, Vertrauen und Commitment), um dadurch Mittel und Wege zu finden, die das 5:1 Verhältnis gewährleisten. Und damit… Simsalabim… bekommen wir das Verständnis von der Magie der Liebe. Für alle die noch mehr über John Gottmans Ansätze erfahren möchten, empfehlen wir dringend sein aktuelles Buch „Die Vermessung der Liebe“ aus Oktober 2018. Aber auch die anderen Biträge aus seinem Forschungsbereich sind spannend und verständlich geschrieben und lohnen sich nicht nur als Abendlektüre.

Gottman betont übrigens, dass er und seine Frau nicht mehr zu Dinnerpartys eingeladen werden. Begnadete Analysefähigkeiten sind also Segen und Fluch zugleich. Na gut… wenn man dafür ein solch geniales Forschungsdesign begründen kann… ein fairer Tausch.

Quellen:

„The Science of Love | John Gottman | TEDx Venice Beach“ Beitrag zur TEDx Talks Reihe in Kalifornien. Am 02.10.2018 von “Tedx Talks” auf Youtube hochgeladen.
URL: https://www.youtube.com/watch?v=-uazFBCDvVw

„Die Mathematik der Liebe | Hannah Fry | TEDxBinghamton University“ Beitrag aus der TEDx Talks Reihe. Am 04.04.2014 von „TEDx Talks“ auf Youtube hochgeladen.

URL: https://www.youtube.com/watch?v=N37x4GgDVBM