„Männer müssen lernen, dass eine Frau nicht unbedingt Problemlösungen von ihm erwartet, wenn sie ihm etwas erzählt. Und Frauen müssen lernen, dass durchaus alles in Ordnung sein kann, wenn ein Mann nicht den Mund aufmacht“, so die renommierten Kommunikationswissenschaftler Allan und Barbara Pease.„Wenn eine Frau unter Druck steht oder gestresst ist, empfindet sie es als Wohltat, einfach nur mit ihrem Mann darüber zu reden. Ein Mann dagegen empfindet das Reden als eine Störung bei der Suche nach Lösungen“.

Männer im Stressmodus schärfen ihr logisches Verständnis, um sich mit dem konkreten Problem zu befassen. Frauen aktivieren in solchen Momenten ihr Sprachzentrum, um im Dialog mit anderen eine Problemlösung zu finden. Mit dem Redefluss steigt ihre Sicherheit und, da Frauen gleichzeitig reden und scharf nachdenken können, sucht sie eigentlich in dem Augenblick nach Lösungen, obwohl meist alle Männer im Raum schon die Augen verdrehen und sie heimlich mit Begriffen wie „Schnattergans“ titulieren. Wenn Männer also das nächste Mal denken, dass eine Frau lieber arbeiten als reden solle, befinden sie sich selbst auf dem Holzweg. Die Frau arbeitet nämlich bereits an der Aufgabe, nur halt nicht in Stillarbeit wie ein Mann. Frauen wollen manchmal einfach nur über Probleme sprechen, aber Männer denken dann, von ihnen würde eine umfangreiche Problemlösung erwartet werden.
Männer können also nicht nachvollziehen, dass Frauen gleichzeitig konzentriert arbeiten und laut reden können, weil sie das eben nicht schaffen. Männer reden, um Problemlösungen zu verbalisieren – Frauen wollen manchmal einfach nur über das Problem sprechen, um es sich von der Seele zu reden. Für Männer macht das wiederum keinen Sinn, solange nicht am Ende eine Lösung für das Problem dabei herauskommt. Jene Männer, die sich daraufhin zurückziehen, um der Frau den nötigen Freiraum zu lassen, machen genau hier einen Köpper ins metaphorische Fettnäpfen. Obwohl es oft mit besten Absichten gemeint ist, der Frau den (männlichen) Freiraum zur Problemlösung zu gewähren, fühlt sie sich in dem Moment jedoch schlichtweg von ihm allein gelassen.

Wenn eine Frau also stundenlang über ihre Probleme referiert, ist das Beste, was der Mann tun kann: Zuhören. Er sollte sich dabei auf Bestätigungslaute konzentrieren, die thematisierten Probleme in jedem Fall ernst nehmen, aber dennoch nicht sofort nach einer Lösung suchen. Anstatt das Problem herunterzuspielen oder gleich auflösen zu wollen, besteht der beste Weg darin, sich auf die Seite der Frau zu schlagen und sie darin zu bestätigen, dass der Chef ein arroganter Blödmann ist oder die freche Kassiererin völlig im Unrecht war. So erzeugt ein Mann Sympathien bei Frauen, die sich gerade verbal abreagieren. Im schlimmsten Fall nimmt der Mann die Probleme der Frau auf die leichte Schulter. Hier ist Streit schon fast vorprogrammiert, weil sie sich nicht ernst genommen fühlt.
Männer wollen die Probleme einer Frau genau so angehen, wie sie einem anderen Mann helfen würden: Umgehend eine vernünftige Problemlösung entwickeln, diesen Plan dann umsetzen und fertig. Männer fühlen sich schnell verantwortlich dafür, sich der Probleme der Frau anzunehmen und diese genauso zu lösen. Gelingt dies nicht sofort, fühlen sie sich schnell nutzlos. Anstatt dann aber (wie die Frau) über Kommunikation nach Lösungen zu suchen, werden Männer oft selbst frustriert oder sogar ausfallend. Die daraus entstehenden Floskeln lauten meist „Hör auf zu weinen, du übertreibst doch völlig, so schlimm ist das doch alles nicht“. Die Frau hört an dieser Stelle jedoch eher eine Verharmlosung heraus oder fühlt sich sogar indirekt beschuldigt. Die Antwort auf solche Beschwichtigungsversuche fällt meist noch emotionaler aus… der Mann wird dadurch noch frustrierter. Wenn Frauen also über die Sorgen und Probleme des Mannes reden wollen, ist dies meist keine gute Entscheidung. Der Mann wird sich unterbewusst fragen, was das Gerede soll. Er ist ein Mann und hätte das Problem doch schon längst gelöst, wenn es doch angeblich so einfach ist.
Allan und Barabra Pease fassen die unterschiedlichen Problemlösungsstrategien von Männern und Frauen in ihrem Buch „Warum Frauen schlecht einparken…“ großartig zusammen, indem sie schreiben: „Wenn sie unter Druck stehen, reden Frauen ohne zu denken, und Männer handeln, ohne zu denken“ Letzteres kann zu unüberlegten Kurzschlusshandlungen führen, die sich nicht mehr so einfach aus der Welt schaffen lassen.
Quelle:
Pease, A. & B. „Warum Frauen schlecht einparken…“ Ullstein Verlag 2002. S. 44, 74-80
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