Plötzlich stören kleine Marotten, die sich im Alltag bei dem Menschen, in den wir uns verliebten, herauskristallisieren. Ess- oder Schlafgewohnheiten oder persönliche Eigenschaften… Seine gemütliche Bräsigkeit, ihr Putzfimmel, sein Schnarchen und ihre stundenlangen Telefonate mit den Freundinnen… jeder wird irgendwann solche Facetten am Partner finden. Statistisch sind das bei über 80% aller Paare Sauberkeit und Ordnung im gemeinsamen Haushalt, da die Rollentrennungs-Modelle á la 1950 leider noch immer sehr präsent in den Köpfen vieler Männer sind. Auch die jüngeren Generationen haben ja auch meist nur Mama beim wöchentlichen Hausputz beobachtet. Das Bild, dass die Frau in der Beziehung den Dreck zu beseitigen habe, hält sich also stabiler als man annehmen würde. Cloé Madanes, Familientherapeutin und Konflikt-Managerin aus Buenos Aires, gibt den Tipp, dass man nicht mit ständiger Ermahnung und Sanktionierung an der Schlampigkeit des Partners herumnörgeln sollte, sondern jegliche Bemühungen (so kläglich sie auch sein mögen) mit positiver Bestärkung loben sollte. Auch wenn es schwer fällt…
Obwohl sie eigentlich bei weitem noch kein echter Streitpunkt sind, können solche Marotten das mit der Zeit durchaus werden und – durch ihre Beharrlichkeit – irgendwann sogar zur Unterstellung führen, man würde vom Partner nicht mehr geliebt werden. Im Subtext hinter solchen kleinen Alltags-Scharmützeln läuft immer eine Kontroll- und Dominanz-Ebene mit, die mitunter Teil des Streits werden kann, ohne dass sie dabei jemals offen thematisiert wird. Obwohl es hier immer am einzelnen Fall zu differenzieren gilt: Kontrolle des Partners ist ein weitreichender Begriff mit einer Spanne von fast unsichtbaren Gesten bis hin zu echter tyrannischer Unterdrückung. Meist beginnt sie schon auf der informellen Ebene eines genervten Blickes, wenn der Partner schon wieder im Begriff ist, eine gemeinsam festgelegte Entscheidung zu ignorieren.

Damit sich solche Kleinigkeiten nicht manifestieren und nervige Marotten irgendwann zu großen Problemen werden, empfiehlt es sich, die Facetten, die einen am Partner stören, so früh wie möglich anzusprechen. Thematisieren Sie, was Ihnen nicht passt und was Sie wirklich stört. Solche Probleme einfach zu ignorieren, wird nichts bringen. Ganz im Gegenteil: Sie werden damit beginnen, sich auf sie zu konzentrieren, bis Sie ausflippen. Auch Groll hilft nichts: „Beleidigtsein, Rückzug, latente Gereiztheit“ sind nur Spielarten der passiven Aggressivität, die ihre bessere Hälfte vielleicht nicht einmal nachvollziehen kann. Und schlechte Laune versaut nicht nur Ihnen den Tag, sondern zieht auch Ihr Umfeld runter. Aber was hilft dann?
Mandanes betont, wie mächtig in solchen Fällen der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl sein kann. Versuchen Sie Ihren Partner humorig auf ein unterschlagenes Lob, mangelnde Anerkennung oder fehlende Kooperation anzusprechen, anstatt direkt mit kritischen Vorhaltungen in den Raum zu platzen. Damit öffnen Sie Ihrem Partner vielleicht die Augen, ohne gleich einen Streit vom Zaum zu brechen. Anstatt sich in die Opferrolle zu flüchten, bleiben Sie doch einfach im Dialogmodus auf Augenhöhe, so Mandanes. Im Übrigen: Es klingt vielleicht bitter, aber der Beziehungsexperte und renommierte Buchautor John Gottman hat errechnet, dass etwa 70% aller kleinen/großen Beziehungsprobleme „unveränderlich sind“. Ein Kampf gegen Windmühlen, wenn Sie so wollen…
Fakt ist aber auch, dass alle nervigen Kleinigkeiten das Potenzial für einen echten Beziehungskiller in sich tragen – unentwegtes Nörgeln. Sobald sich eine Kultur der ewigen Kritik in die Beziehung eingeschlichen hat, fängt sie an, auch die positiven Beziehungsaspekte zu verdunkeln. Sobald der Partner dann auf stur schaltet, weil ja sowieso niemals irgendeine Entscheidung richtig zu sein scheint, hat sich eine ewige Streitfront manifestiert. Der berühmte Beziehungsexperte John Gottman fand heraus, dass Männer eher dazu neigen, auf stur zu schalten, während Frauen ihren Ärger offen kommunizieren. Frauen wirken in Beziehungen deshalb häufig dominierender als Männer. So kam wohl auch das Klischee des Nudelholz-schwingenden Hausdrachens zu Stande. Mehr zu Gottmans brillanten Theorien zur Streitforschung können Sie ebenfalls in unserem Magazin nachlesen. Die schlimmsten Beziehungspartnerinnen, die sich Männer übrigens vorstellen können, sind jene Hausdrachen, die in ewigem Griesgram neue Streitpunkte suchen und finden. Mecker mecker mecker… Ein Tipp vom Familientherapeuten John Gray für alle Männer: Anstatt sich dem Genörgel hinzugeben und einen Streit anzufangen, ertragen Sie den verbalen Ausbruch Ihrer Partnerin wie der Fels in der Brandung (der Sie ja schließlich sind) und wiederholen Sie danach den Grund der Kritik in diplomatisch-sachlichem Ton, bevor Sie eine Lösung unterbreiten.
Quelle:
Wolf, A. „Die Liebestöter“. IN: „Schwierige Menschen Von Nervensäge bis Narzisst: Wie wir sie erkennen und wie der Alltag mit ihnen gelingt“, „Psychologie heute compact“ Heft 56 2019, S. 14-17
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